Ermutigungswort für den Sonntag Jubilate – 25. April 2021

Liebe Leserin, lieber Leser,
wann haben Sie das letzte Mal so richtig gejubelt? Wann war Ihre Freude so groß, dass Sie aus tiefstem Herzen einen Freundenschrei ausgestoßen haben? Angesichts der derzeitigen Situation bleibt mir der Jubel im Hals stecken. Einen kleinen Freudenhüpfer macht mein Herz, wenn der Inzidenzwert unter 100 liegt, weil ich so die Hoffnung auf ein Stück Normalität habe. Aber einen richtigen Freudenschrei löst das bei mir nicht aus. Wenn ich mein Patenkind nach langer Zeit mal wieder in die Arme schließen könnte, dass würde mich aus tiefstem Herzen jubeln lassen und mir sicher auch die ein oder andere Freudenträne in die Augen treiben. Aber das scheint noch in weiter Ferne zu liegen.  Angesichts von zu wenig Impfstoff, die Aussicht auf einen Bundeslockdown und die erneute Schließung von Schulen und Kitas rufen bei mir eher Resignation, Wut und Trauer hervor.
Jubelt! Dazu ruft uns der Name dieses Sonntags auf. Jubilate. Jubelt! Aber was ist, wenn ich überhaupt keinen Grund zur Freude und zum Jubel habe. Kann ich so einfach einen Schalter in meinem Herzen umlegen? Wohl kaum.

Der Apostel Paulus meint: Ja. Das können wir. Er sagt das, weil er es selbst erlebt hat. Paulus war Jude und ein heftiger Gegner des jungen Christentums. Dann hatte er eine rätselhafte Begegnung mit Jesus selbst, dem auferstandenen Jesus. Jesus fragte ihn dann nur: Warum verfolgst du mich? Eine richtige Antwort darauf wusste Paulus wohl nicht, außer, dass er sein Leben von Grund auf veränderte. Körperlich blieb er der gleiche, aber innerlich wandelte er sich, wie wir oft sagen, um 180 Grad. Er wurde zu einem leidenschaftlichen Apostel und verkündete Jesus als den Gesalbten Gottes, der unser Leben neu macht. In einem Brief an die kleine christliche Gemeinde in Korinth schreibt er dann: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
Dabei denkt er gewiss zuerst an sich selbst. Wir können unsere Körper nicht neu machen, wir können unsere Stimmung nicht verändern. Was wir aber können, ist unsere Sinne und Wahrnehmung zu verändern, unsere Einstellung zum Leben, zu Menschen. An keinem Tag unseres Lebens müssen wir so denken und handeln, wie wir gestern gedacht und gehandelt haben.
Die Auferstehung Jesu hat die Welt neu gemacht. Wir wissen jetzt, dass Gott auch Macht hat über den Tod. Das war damals wirklich neu. Und machte aus vielen traurigen Jüngern fröhliche Zeugen, die einen riesigen Grund zum Jubeln hatten.  Wir müssen also nicht traurig bleiben, nicht niedergeschlagen sein, nicht hoffnungslos werden. Wir können es sein, natürlich, aber wir müssen es nicht bleiben. Wir können jeden Tag beginnen, ein Mensch mit Hoffnung zu sein und ein Mensch mit Freundlichkeit.

Wir können es wenigstens versuchen. Weil es die Auferstehung gibt, gibt es Hoffnung. Mitten in unsere Herzen möchte sie sich setzen und uns neu machen und jubeln lassen. Wir dürfen jeden Tag unser Leben neu denken. Wir können Menschen mit Hoffnung sein. Und so auch mit anderen Menschen umgehen. Wir können „von vorne anfangen“ und nach Gründen zum Jubeln suchen. Auf der Titelseite ist ein Foto der Osterkerze zu sehen. „Jesus ist auferstanden.“ Allein diese Botschaft ist schon ein Grund zum Jubeln, weil Gott uns auch im Schweren nicht allein lässt. Diese Botschaft kann jeden Einzelnen verändern und so verändert sie auch mich. Ich habe die Hoffnung, dass es ausreichend Impfstoff geben wird. Dass Schulen und Kitas wieder in den Regelbetrieb gehen und dass wir einander wieder besuchen können. Und dass ich mein Patenkind wieder in die Arme schließen kann!
Zu Ostern wurden Ostereier mit Wünschen beschrieben. Eins ist auf der Titelseite zu sehen: „Frieden und Gesundheit“ steht drauf geschrieben. Das ist mein Wunsch für Sie: Bleiben Sie von Gott behütet und gesund!

Ihre Ann-Kathrin Rieken
Pfarrerin der Stiftskirchengemeinde und der Kirchengemeinde Sunstedt  im Kirchengemeindeverband Königslutter