Musik in schwierigen Zeiten – Folge 162

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Kirchenmusik,
heute steht ein Komponist im Mittelpunkt, der überwiegend durch kurze, pointierte Stücke berühmt geworden ist. Sein vielleicht berühmtestes Werk hat ein ungewöhnliches Soloinstrument: Eine Schreibmaschine. „The Typewriter“ ist auch nach der Premiere im Film „Der Ladenhüter“ seinem Hauptdarsteller ein treuer Weggefährte geblieben. Es gibt kaum ein Fernsehauftritt, in dem Jerry Lewis seine Paradenummer nicht präsentiert hat, so wie hier in der Comedy-Show „Klimbim“ aus dem Jahr 1974:

Mindestens so abwechslungsreich wie seine Musikstücke war auch das Leben des Komponisten Leroy Anderson. Als Sohn von schwedischen Auswanderern wurde er 1908 in Cambridge, Massachusetts, geboren. Die musikalischen Eltern brachten ihn früh mit Musik in Berührung, und schon bald zeigte sich sein großes Talent. Anderson studierte unter anderem Harmonielehre, Orchestrierung und Komposition an der berühmten Harvard University. Orgel und Kontrabass lernte er bei Musikern des Boston Symphony Orchestra.
Später machte Leroy Anderson seinen Doktor in germanischen und skandinavischen Sprachen. Da er in der Musik keine Zukunft sah, wollte er Sprachlehrer werden und beherrschte neben seinen Muttersprachen Englisch und Schwedisch schließlich Dänisch, Norwegisch, Isländisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Porugiesisch. Kurz vor Dienstantritt als Lehrer in einer Privatschule beschloss er dann doch, der musikalischen Karriere eine Chance zu geben. Seine Werke wurden vom Boston Pops Orchestra aufgeführt, er trat in verschiedenen Tanzbands auf und spielte auch auf Kreuzfahrtschiffen, die zwischen den USA und Skandinavien pendelten.
Im zweiten Weltkrieg wurde Leroy Anderson wegen seines Sprachtalents erst als Soldat, später sogar im Geheimdienst eingesetzt. Eine militärische Stelle in Schweden lehnte er ab, um sich nach 1945 wieder voll seiner Familie und dem Komponieren zu widmen. Danach entstanden einige seiner großen Werke, wie „The Typewriter“, „Belle of the Ball“, Bugler’s Holiday“ und viele andere. „Blue Tango“ war die erste Instrumentalaufnahme, die sich eine Million Mal verkaufte und für die er seine erste Goldene Schallplatte bekam. Die Single erreichte 1951 in den US-Charts Platz 1 und wurde 38 Wochen lang in der Hitparade notiert.
1952 galt Leroy Anderson bereits als etablierter amerikanischer Komponist. Viele seiner Werke wurden auch im Radio, Fernsehen und für Werbung eingesetzt, wie zum Beispiel „The Syncopated Clock“ als Titelmelodie für die TV-Sendung „The Late Show“. Leroy Anderson war außerdem weiterhin intensiv als Komponist und Dirigent tätig, bis er 1975 an einem Krebsleiden verstarb.
Bei unserem Neujahrskonzert „Von London nach Hollywood“ standen am 20. Januar 2018 am Ende einige dieser Miniaturstücke auf dem Programm, die ich Ihnen mit den folgenden Links, die heute aus aller Welt kommen, empfehlen möchte: Zunächst „Sleighride“, gespielt als Weihnachtsgruß vom NDR-Elbphilharmonieorchester unter der Leitung von Krzysztof Urba?ski im Dezember 2017:

„Plink, Plank, Plunk“, gespielt vom Portland Youth Philharmonic unter der Leitung von David Hattner – der Mitschnitt entstand am 26. Dezember 2013 in der Concert Hall in Portland, Oregon:

Aus der tschechischen Stadt Pardubice kommt der nächste Titel – das Police Symphony Orchestra spielte am 7. April 2018 den Walzer „Belle of the Ball“:

„The Syncopated Clock“ erklang in Kanada am 1. Juni 2008, es spielt das Streichorchester Baie-Comeau:

„Bugler’s Holiday“ ist mit dem San Francisco Symphony Orchestra zu erleben, der Mitschnitt entstand am 4. Juli 1996 im Shoreline Amphitheatre in Mountain View, Kalifornien:

Mein heimlicher Favorit: „Fiddle Faddle“, gespielt vom Ukrainian Radio Symphony Orchestra unter der Leitung von Volodymyr Sheiko.

Und zum Schluss, gewissermaßen als „Da Capo“, noch der wohl zur Zeit gefragteste Schlagzeuger: Martin Grubinger spielte Leroy Andersons „The Typewriter“ mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Manfred Honeck am 15. Juli 2017 auf dem Münchner Odeonsplatz:

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler