Ermutigungswort für den 11. April 2021

Jedes Werden in der Natur,
im Menschen, in der Liebe
muss abwarten, geduldig sein,
bis seine Zeit zum Blühen kommt.
(Dietrich Bonhoeffer)

Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn ich aus dem Fenster blicke, suchen meine Augen Blüten. Das teilen sie mit den ersten Bienen, die unterwegs sind. Schon April, doch es gibt kaum Blüten. Ein paar vereinzelte Krokusse und Narzissen recken ihre Köpfe empor und lösen die Schneeglöckchen ab. Neidisch sehe ich Bilder aus Japan oder Washington, wo die Kirschblüte ganze Straßenzüge in ein zart-rosa Licht taucht.

Ostern liegt hinter uns wie auch der hoffentlich letzte Aufschrei des Winters, der uns in dieser Woche mit Hagel, Schnee, Sturm und Minustemperaturen im Griff hielt.
Ungeduldig sehne ich mich dem Frühling entgegen – mit blühenden Oasen, warmen Temperaturen, Vogelgezwitscher von früh bis spät.

Doch, wie sagte schon Dietrich Bonhoeffer, es braucht Geduld. Nicht nur die Natur braucht ihre Zeit, auch an anderen Stellen wird unsere Geduld derzeit auf eine harte Probe gestellt.
Oft höre ich den Satz: „Jetzt könnte es mal vorbei sein.“ Lange waren wir geduldig, haben uns gutwillig den vorgegebenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gefügt. Doch allmählich bricht sich Ungeduld durch.

Und da ist dann wieder der neidische Blick auf Regionen, in denen das Leben scheinbar leichter wird – ob im Saarland oder in Israel. Oder stellen sich dort womöglich andere Schwierigkeiten ein, die ein Blick von außen zunächst mal nur nicht wahrnimmt?

Geduld zu bewahren ist eine herausfordernde Aufgabe. Das mussten auch schon die Jünger Jesu lernen, als sie sich am Fischen versuchten. Die ganze Nacht lang waren sie vergeblich auf See – und das obwohl dies die bevorzugte Zeit zum Fischen am See Genezaret ist. Enttäuscht und mit leeren Netzen kehrten sie ans Ufer zurück. Als Jesus ihnen am frühen Morgen sagte, dass sie es jetzt noch einmal versuchen sollten, war auch ihre Geduld stark beansprucht. Doch weil es Jesu Wort war, fuhren sie los – und wurden diesmal nicht enttäuscht. Ihre Geduld wurde mit einer großen Zahl von Fischen belohnt, wie der Evangelist Johannes berichtet (nachzulesen in der Bibel: Joh 21,1–14).
Diese Geschichte vom wunderbaren Fischfang ist für mich eine Ermutigungsgeschichte. Sie ermutigt dazu dranzubleiben und nicht aufzugeben. Sie ruft auf, Geduld zu bewahren, auch wenn es schwer fällt, auch wenn es gegen den alltäglichen Rhythmus des Lebens ist.

Die Geschichte lässt mich den Blick in die Zukunft richten und ermutigt mich, mit anderen, ja besseren und angenehmeren Lebensbedingungen tatsächlich zu rechnen. Auch wenn sie meinen Sinnen noch verborgen sind, halte ich doch am Glauben fest, dass Gott uns wieder mehr Lebensqualität schenken wird.

Die Natur macht es uns alljährlich vor. Sie wartet geduldig auf mildere Temperaturen, erträgt den Schnee im April und steht mit Knospen in den Startlöchern, damit sie dann, wenn die Sonne lockt, aufblühen kann.
Ich wünsche Ihnen ganz viel Geduld und Frohsinn, die österliche Freudenzeit beim Warten auf bunte Blüten zu genießen.
Gott segne Sie!